KI ermöglicht die kostengünstige Erstellung von scheinbar hochwertigem Content. Eine überwältigende Flut an Inhalten ist die Folge.
Die Ära des Vertrauens
Wenn man in den letzten Jahren eine erfolgreiche Marketingkampagne aufsetzen wollte, kam man an einem Instrument nicht vorbei: dem Content Marketing. In Teilen wurde Content Marketing geradezu als Wunderwaffe heroisiert und als die ganz große Kunst gefeiert, sich und sein Angebot zu präsentieren.
Es geht dabei nicht um plumpes Product Placement. Vielmehr ist es hochwertig produzierter, anspruchsvoller Content, der als eine Arbeitsprobe verstanden werden kann. Es ist Content, der die eigene Expertise unterstreicht und bei der Zielgruppe die Lust auf mehr entfachen soll – ganz im Sinne eines Appetizers.
Das Erfolgsrezept geht auf, sogar sehr gut: Über verschiedene Content-Marketing-Maßnahmen werden aus Interessenten loyale Kunden. Was passiert jedoch, wenn etwas so gut funktioniert? Richtig, immer mehr Akteure springen auf den fahrenden Zug auf. So entwickelte sich ein umfangreiches Ökosystem an Agenturen, Spezialisten und Dienstleistern, die sich rein auf Content Marketing spezialisiert haben.
Tipping Point erreicht: Content-Schwemme durch KI
In den letzten Jahren bzw. Monaten hat sich in Bezug auf die Nutzung von Content Marketing als verlässliches Instrument zur Gewinnung und Bindung von Kunden viel geändert.
Mit dem Aufkommen von Künstlicher Intelligenz (KI) und LLMs (Large Language Models) ist die Einstiegshürde für die Content-Erstellung drastisch gesunken. Unternehmen, denen früher der Zugang, die Ressourcen oder das Budget fehlten, um Marketinginhalte nach dem Content-Marketing-Prinzip zu erstellen, können dies heute auf Knopfdruck erledigen. Die Folge ist eine Überflutung der Kanäle. Nie war es einfacher und kostengünstiger, hochwertige Whitepaper, Bilder, Videos, Podcasts oder sogar Bücher zu produzieren – und das völlig unabhängig von der eigenen Vorkenntnis.
Die Explosion der Content-Erstellung und -Verbreitung führt jedoch zu einer schleichenden Entwertung von etablierten Inhalten. Man kann bereits heute einen signifikanten Qualitätsverlust erkennen – zwar nicht oberflächlich, aber in der Tiefe.
Inhalte im Content Marketing haben das Ziel, einen direkten Mehrwert zu liefern, zum Beispiel durch die Vermittlung von Experteninformationen zu einem bestimmten Thema. Der Zielgruppe fehlt es allerdings häufig an der nötigen Bewertungskompetenz, um einzuschätzen, ob ein Inhalt wirklich gut und vor allem fachlich richtig ist. Hier besteht ein gewisser Zirkelbezug: Gerade weil man einen Informationsbedarf hat, ist man an den Inhalten interessiert, kann deren Korrektheit aber eben erst nach dem Konsum (oder gar nicht) beurteilen.
Mit mangelnder Bewertungskompetenz steigt das Risiko, dass man sich zwar oberflächlich gut informiert fühlt, schlussendlich aber doch eine Fehlentscheidung trifft. Daraus entwickelt sich ein Vertrauensverlust, der parallel zum Wachstum der werblichen Inhalte ansteigt. Gerade potenzielle Kunden, die über Content-Marketing-Maßnahmen eigentlich Vertrauen aufbauen sollten, werden zunehmend verunsichert und verlieren sich in der unendlichen Masse an Inhalten.
What’s next?
Eine sehr gute Frage: was ist der nächste Trend? Wie kann man sich vom Wettbewerb differenzieren, anders und damit erfolgreicher vorgehen? Eine allgemeingültige Antwort ist natürlich schwierig.
Was sich eindeutig abzeichnet ist, dass der Faktor Mensch bzw. das „Human Marketing“ in vielen Bereichen wieder eine größere Rolle spielt.
Dem direkten Gespräch mit einem Menschen wird weiterhin das größte Vertrauen entgegengebracht. Das persönliche Gespräche oder die Live-Veranstaltung steht für Authentizität. Die Krux: persönliche Gespräche sind schwer skalierbar, zeit- und ressorucenintensiv. Also genau das Gegenteil davon, was ein 5-seitiges mit KI generiertes White Paper verspricht, das leicht in 5 Minuten veröffentlichungsreif erstellt ist.
Meine Empfehlung: investieren sie in Human Marketing. Neu-Kunden, mit hohem Entwicklungspotential (in Richtung wertvoller Key Accounts) resonieren sehr gut auf den persönlichen, individuellen Austausch. Im Human Marketing stehen eine Vielzahl an etablierten, aber auch neuen Formaten zur Verfügung: Live-Webinare, exklusive Online-Sessions, Telefonate, Bar Meeting, Brownbag Session…
Produzieren sie weiterhin relevante Inhalte – selbstverständlich mit der Unterstützung von KI. In welchem Umfang sie die Unterstützung von KI in Anspruch nehmen, ist jedem selbst überlassen. Sie sollten sich allerdings schon anstrengen und den eigenen Anspruch haben, kreativ und redaktionell zu arbeiten, um ihr individuelles Wissen, dass sie als Gütesiegel auszeichnen soll, auch individuell zu präsentieren.
Nicht Schnelligkeit ist entscheidend, sondern Tiefe, Individualität und Authentizität. Achten sie darauf, dass es immer einen manuellen Review Workflow gibt, damit Inhalte nicht ungeprüft und „KI only“ veröffentlicht werden.
Autor: Cord Bötger, Senior Partner N:TREE
Metadaten zum Blogbeitrag
Erstellungsdauer: ca. 2 Stunden
Vorgehen:
- Idee für Beitrag in Notizbuch aufgeschrieben
- 2 DIN-A4 Seiten Brainstorming; diktiert und transkribiert
- Transkript in KI (Gemini) hochgeladen mit dem Ziel der Strukturierung
- Vorgeschlagene Struktur übernommen und Text vollständig manuell verfasst
- Rechtschreib- und Grammatik-Check durch Textverarbeitungssoftware



